«Wie würde sich das Leben anfühlen, wenn ich kein Bedürfnis mehr hätte, mich beweisen zu wollen?»

Diese Frage regte mich zum Denken an……..weil ich mich ertappt fühle.

Das Feld ist riesig, einfachheitshalber habe ich mich hier nur auf zwei verschiedene Situationen beschränkt, die genügend Stoff für eine Selbstreflexion bieten, so man möchte.

Nun fragst Du Dich, ist es denn schlimm, wenn man sich beweisen möchte?

Deine Antwort liegt ganz bei Dir.

Meine Wahrheit würde es bejahen, wenn ich über den Situationen stehen und altruistisch, einem buddhistischen Mönch gleich davon befreit wäre, mich beweisen zu wollen.

Der Beweis vom korrekten Ausführen

Meine Freundin bat mich neulich, einen grösseren Betrag auf der Post einzuzahlen. Ich beglich die Rechnung und erhielt als „Beweis“ eine Quittung. Ich überlegte mir, ob ich ihr die Zahlungsbescheinigung gleich anschliessend vorbeibringen sollte oder einfach nur kurz schreiben, ich hätte es eingezahlt. Ich wollte mich hier drin üben und schrieb ihr nur, dass alles erledigt sei, jedoch nicht, dass ich ihr dann die Bestätigung beim nächsten Treffen geben würde. Ich zögerte dennoch, weil ich beflissen bin, ( auch eine Art von Beweisen wollen) die Dinge korrekt zu tun.

Es war dann tatsächlich eine kleine Herausforderung, ihr den Beleg nicht gleich danach einzuwerfen. 🙂

Ich fragte mich, weshalb ich denn überhaupt den Drang verspürte, ihr zu „beweisen“ dass ich alles ordentlich ausgeführt hatte?

Ich wollte beweisen, dass sie mir vertrauen konnte, dass ich das Geld nicht veruntreute. Ich denke, meine Reaktion hat mit Mangel an Selbstbewusstsein oder mit Unsicherheit zu tun und dem Gedanken, was sie von mir denken könnte. Da es ein menschliches Bedürfnis ist, geliebt und anerkannt zu werden für das was man tut, hätte sie mir vielleicht die Freundschaft gekündigt, wenn ich den Auftrag nicht korrekt ausgeführt hätte? Bestimmt nicht, aber die Gedanken sind oft stärker als die Realität.

Wie könnte man diese Situation umgehen?

Das scheinbar Einfachste ist, mir nicht so viele Gedanken zu machen, den Fokus auf etwas anderes zu lenken, denn bei mir liegt die Entscheidung, worauf ich meinen Blick richte.

Für mich war es eine spannende Begebenheit, und da ich es liebe, mich zu reflektieren und an mir zu arbeiten, ein willkommenes Übungsfeld. .:-)

Ich beweise Dir, dass ich auch so viel Ahnung habe wie Du

Eine andere sehr spannende Situation, bei der wir uns im „sich nicht beweisen wollen“ üben können ist folgende:

Jemand drückt sich nicht ganz richtig aus und schon liegt uns die Belehrung auf der Zunge, der Ehrgeiz ist am Start um ihm zu beweisen, dass wir es besser wissen.

Welch ein schönes Gefühl wäre es, mich nicht zu äussern, einfach weiter zuzuhören ohne meinen Gesprächspartner besserwisserisch beeindrucken zu wollen?

Ich finde diesen Gedanken sehr erstrebenswert, mich einfach so zu verhalten, dass ich niemanden je etwas beweisen müsste! Kein einfacher Weg, aber auch kein unbeschreitbarer. Mit wiederholendem Üben, werde ich über kurz oder lang, ein immer freierer, selbstloser Mensch sein können.